Aktionstag für Ingo Knop

Bildung einer Menschenkette als Soldaritätsbezeugung

Was für ein Erfolg! 350 Aktive – bei eisigem Ostwind und sehr matschigem Boden.

Danke für Eure Solidarität – wir machen nicht nur weiter, wir fangen jetzt erst an!

 

 

Hier die Reden im Original Text von Frauke & Uli zum Aktionstag / Menschenkette:

Ich bin Frauke Knop, die Schwester von Ingo-Willi Knop und Birgit Ebsen, geb. Knop. Im Namen der Familie Knop und der Bürgerinitiative Tarup, in der wir natürlich auch Mitglieder sind, begrüße ich alle, die sich heute hierher auf den Weg gemacht haben.

Vielen herzlichen Dank für Eure Anteilnahme und Solidarität. … an dieser Stelle auch besonderen Dank an die entschlossenen Mitglieder unserer Bürgerinitiative.

Wir stehen jetzt hier auf einer Hofkoppel von Ingo-Willi Knops Bauernhof. Die jetzt tatsächlich von der Stadt angestrebte Enteignung und der damit drohende Eingriff in die Hofkoppeln gleicht der Vernichtung der Quelle, aus der in wenigen Jahrzehnten ein florierender Bauernhof gewachsen ist.

Unser Großvater, der 1952 nach russischer Kriegsgefangenschaft seine 1945 aus Pommern vertriebene Familie in Angeln wieder fand, hat Mitte der 50er Jahre den Hof gekauft. 1964 wurde der Hof von unserem Vater übernommen. Seit 1999 ist Ingo-Willi Knop der Hofeigentümer.

Unser Vater, unsere Mutter und Ingo – sobald er als Junge auch mit zupacken konnte – haben ihre gesamte Lebenszeit und Kraft hier hinein gesteckt. Unsere Schwester Birgit hat auch kräftig mitgeholfen … ich saisonal auch – habe aber noch lieber die Aussicht und Atmosphäre genossen.

So konnte innerhalb von wenigen Jahrzehnten der Hof von 20 auf 60 ha Weideland und Ackerfläche für Nahrungsmittel vergrößert werden und das alles durch redliche, ausdauernde, teilweise schwere aber letztendlich befriedigende und vor allem ehrliche Arbeit.
Heute zeigt auch Birgits Sohn Jannik großes Interesse und Liebe für die Landwirtschaft und begeistert selbst seine Freunde zur Mithilfe auf dem Hof.

Die Hofkoppeln haben für einen landwirtschaftlichen Betrieb eine besondere Bedeutung, da sie durch die Nähe zum Betrieb mit verhältnismäßig wenig Aufwand zu bewirtschaften sind.
Die gesamte Planung und Umsetzung der K8 ist seit 12 Jahren insbesondere für meinen Bruder Ingo-Willi Knop und unsere Mutter als unmittelbar Betroffene ein nerven- und kräftezehrendes Ärgernis und die jetzt angezeigte Enteignung der Gipfel der Frechheit.

Schon zu Beginn der Planungen wurde Ingo-Willi Knop schnell klar, dass er um seine Hofkoppeln bitter kämpfen muss. Bei der Präsentation des Bauvorhabens 2006 im Tastruper Krog sagte ihm ein Mitarbeiter der städtischen Planungsabteilung Zitat:
„Sie müssen sowieso aufhören.“ und in offiziellen Straßenkarten wurde die jetzt drohende unfairste und schädlichste aller Trassenvarianten bereits als Planung aufgeführt.
Sein fristgerechter Einspruch im Jahr 2007 wurde schlichtweg ignoriert und die Stadt ließ ihn jahrelang warten, bis sie Gespräche zum unausweichlichen Landerwerb mit ihm suchte. Diese Gespräche hatten zumeist einen sehr innoffiziellen Charakter und erfolgten mit wechselndem Aufgebot an Landkäufern, Agenten der Landgesellschaft und Oberbürgermeistern. Ein anständiges und brauchbares Protokoll ist dabei nie herausgekommen, allenfalls Notizen, die jetzt verstreut in irgendwelchen Akten wieder auftauchen.
Das große Ärgernis in der Planung ist – und sei hiermit nochmal bekräftigt – die Wahl der für meinen Bruder schädlichsten und unfairsten Trassenvariante, wonach die Stadt einen groben Abwägungsfehler begeht, da sie nicht eine Variante wählt, welche alle Betroffenen (Landeigentümer) gleichmäßig und gerecht gegeneinander und untereinander berührt. Die Frage nach der Absicht für die gewählte Trasse, legt die Vermutung nahe, die Stadt erhoffe sich dadurch einen leichteren Zugriff auf
Bauland.
Eine grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft ist bei Ingo Knop vorhanden. Eine Verhandlungsbereitschaft über eine Trassenverlegung seitens der Stadt gab es bis August 2017 nicht.  Eine am 2. August 2017 beim mysteriösen „Küchentischgespräch“ in Aussicht gestellte Überprüfung einer Trassenverlegung scheiterte leider an der sehr improvisierten und inoffiziellen Form.

Von Anfang an fühlte sich alles so an wie ein Angebot zur Enteignung zum Spottpreis oder mit anderen Worten: Du kannst machen, was Du willst, Du kommst hier sowieso nicht lebend raus.
Ich bin entsetzt, wie respektlos hier mit dem Lebenswerk von Menschen umgegangen wird.

Darüber hinaus empfinde ich persönlich diesen Ort und die Umgebung mit dem Schwinstiger Weg und weiter bis nach Meierhof und zum Taruper Wald als zauberhaften Kraftort, wo mir innerlich Wurzeln und Flügel wachsen und der von vielen Flensburgern als Naherholungsgebiet genutzt wird. Ich möchte, dass er so geschützt und erhalten bleibt, wie er ist. Ich bin sehr traurig, wie gleichgültig die schöne Natur hier überplant wird und einfach asphaltiert werden soll.

Schlussendlich ist allerdings am wenigsten nachvollziehbar, dass – obwohl andere Lösungen möglich sind – einem landwirtschaftlichen Betrieb die wichtigsten Flächen mittels Enteignung genommen und zur Unwirtschaftlichkeit zerschnitten werden sollen, für eine Straße, deren Rechtmäßigkeit und Notwendigkeit sehr fragwürdig ist.

Mit diesen Gefühlen bin ich sehr motiviert, für den Baustopp und eine bessere Lösung zu kämpfen.

und hier nun die Rede von Uli zum Nachlesen & Staunen:

Moin,
ich heiße Ulrich Ragotzky und bin eines von 13 Gründungsmitgliedern der Bürgerinitiative Tarup. Die anderen Mitglieder sind natürlich Bauer Ingo mit seinen Schwestern Birgit und Frauke, Julia und Dirk, Dorit und Hubert, Paul, Rüdiger, Sascha, Stefan und Jens. Ich hoffe, ich habe sie alle genannt, zumindest haben diese Personen auf der Gründungsurkunde der Bürgerinitiative am 08. Februar unterschrieben.

16 Tage seit der Gründung
Eine noch nicht empfundene Aufbruchsstimmung, verbunden dem Gefühl der Ohnmacht der Stadtverwaltung gegenüber suchte sich ein Ventil – und schon war die Bürgerinitiative geboren.
Wir haben versucht uns schnell über facebook darzustellen – das hat fast reibungslos geklappt – innerhalb kürzester Zeit hatten wir über 2000 follower – dafür ein dickes Danke schön an euch alle!!!!
Selbst Frau OB Simone Lange folgt unserer facebook-Gruppe!!
Wir haben eine homepage aufgebaut, wir haben eine online-petition eingerichtet.
Wir haben uns mit einer Gruppe bei der letzten Ratsversammlung bemerkbar gemacht, so dass wir zur Ordnung gerufen wurden.
Wir haben mit der Presse Kontakt aufgenommen.
Und wir haben die heutige Aktion vorbereitet – das war alles viel Arbeit und die meisten von uns sind berufstätig, also war der ein oder andere lange Abend dabei, aber wir haben es mit euch allen im Rücken gemacht – für Bauer Knop!
Deshalb ein dickes Danke schön an alle, die sich bisher so uneigennützig eingebracht haben und an euch alle, die ihr uns unterstützt.

Warum haben wir uns nun heute hier getroffen?
Es droht die Enteignung! Welch ein fürchterliches Wort!
E N T E I G N U N G!!!
Und welch fürchterlicher Eingriff in ein elementares Grundrecht, das Recht auf Eigentum!

In Artikel 14 des Grundgesetztes steht „ Das Eigentum wird gesichert!“ Und „Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig!“
Handelt die Stadt Flensburg als Antragstellerin des Enteignungsverfahrens zum Wohle der Allgemeinheit?
Zumindest möchte sie wohl diesen Eindruck erwecken, denn so stellt die Stadt Flensburg es auf ihrem Faktencheck zur K 8, der seit einer Woche online einsehbar ist, dar.
Ihr alle, die ihr uns über facebook oder anderen Medien gefolgt seid, habt mit eurem Interesse und eurer gezeigten Solidarität dafür gesorgt, dass die Stadt Flensburg sich selbst erklären muss. Und man sieht unter welchem Druck die Stadt steht, die Ausarbeitung ist oberflächlich und laienhaft.
Jede der Richtigstellungen ist falsch, unvollständig oder steht in keinem Zusammenhang zur entsprechenden Behauptung.
Auf unserer Gegendarstellung zum Faktencheck, die ihr hier präsentiert seht und auch auf unserer homepage (siehe UNSERE Gegendarstellung zum sog.“Faktencheck“ der Stadt Flensburg) aufrufen könnt, haben wir die Halbwahrheiten korrigiert und sachlich im Zusammenhang Stellung genommen.
Aber lasst uns ein noch einmal auf „zum Wohle der Allgemeinheit“ zurückkommen!
Wir stehen hier auf Hofkoppel eines der letzten landwirtschaftlichen Betriebe in Flensburg. Wäre der Erhalt dieses Bauerhofes zum Wohle der Allgemeinheit?
Was aber betreibt die Stadt mit Bauer Knop? Sie treibt ihn in den Ruin! Zum Wohle der Allgemeinheit!
Seht um uns herum die Landschaft, der Knick ist bereits brutal gerodet, nicht nur einfach auf den Stock gesetzt. Absehbar werden hier Bagger und Planierraupen ihr Unwesen treiben, Tiere und Pflanzen werden verjagt und unwiederbringlich zerstört.
Wäre nicht der Schutz dieser Landschaft zum Wohle der Allgemeinheit? Ein eher moderater Eingriff in die Natur, wenn überhaupt?

Das Auge kann bis zum Horizont blicken, bald nur noch bis zum Lärmschutzwall. Zum Wohle der Allgemeinheit?
Der Bau des 4. Bauabschnittes kostet viel Geld. Wenn das Enteignungsverfahren keinen Erfolg hat, wird die Stadt ggf. Fördergelder für diesen Bauabschnitt zurückzahlen müssen und Forderungen der Bauunternehmer begleichen müssen. Sollte nicht der Ausgang des Enteignungsverfahrens abgewartet werden?
Schnellstmöglicher Baubeginn – zum Wohle der Allgemeinheit?
Der Weiterbau der K8 soll weniger Verkehrsbelastung für den Kern von Tarup bedeuten. Aber warum von Belastung sprechen, wenn die Entlastung schon längst eingetreten ist.
Eine unnütze Baumaßnahme, zum Wohle der Allgemeinheit?
Durch den 4. Bauabschnitt werden zukünftige Baugebiete erschlossen, aber auf Kosten einer Enteignung? Zum Wohle der Allgemeinheit?

Alles, aber auch alles zum Wohle der Allgemeinheit!

Liebe Stadt Flensburg, das glaubt dir keiner!!!

Wir sind die Allgemeinheit und wir bestimmen, was unter zum Wohle der Allgemeinheit in Flensburg zu verstehen ist.
Wir wollen gehört werden!! Politiker und Stadtverwaltung, hört uns zu!
Bei der Kommunalwahl wird abgerechnet!!!
Deshalb haben wir Bürgerinitiative gegründet und deshalb sind wir alle heute gemeinsam hier:
Wir stehen zu Bauer Knop!
Wir wollen keine Enteignung!
Wir wollen keine verschandelte und zerstörte Natur mit planierten und asphaltierten Flächen und Lärmschutzwällen!
Wir wollen uns von der Stadt nicht weiter an der Nase herumführen lassen!

Frau OB Lange, Sie haben sich unter facebook unserer Gruppe angeschlossen und uns vor genau 14 Tagen nachmittags um 14.18 Uhr zu einem Gespräch in das Rathaus eingeladen. Und Sie wollten wissen, wer die Ansprechpartnerin bzw. der Ansprechpartner ist.
Wir, wir alle sind ihre Ansprechpartner, denn wir sind die Allgemeinheit!
Und ja, wir nehmen Ihre Einladung gerne an und freuen uns auf ein offenes, ehrliches, konstruktives und zielorientiertes Gespräch. Sie kennen unsere Homepage, Sie kennen unser Email Adresse, wir warten!
Bedenken Sie jedoch, dass wir nicht bereit sind uns mit leeren Versprechungen und Worthülsen abspeisen zu lassen.
Vor 14 Tagen haben Sie uns eingeladen, also vor 336 Stunden bzw. 20160 Minuten. Das sind über 20000 Minuten, in denen wir uns gefunden und organisiert, uns informiert und vorbereitet haben.
Wir haben unsere Zeit genutzt, nutzen Sie nun Möglichkeit mit uns zu sprechen!
Der heutige Tag ist erst der Anfang!!!!

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